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  Die Vorstände der OeEB im Gespräch: "Man muss den Leuten vorrechnen, was sie davon haben" 

Die beiden Vorstände der OeEB, Andrea Hagmann und Michael Wancata, sprechen darüber, warum und wie sich die Entwicklungsbank in ihren Zielländern für mehr Ressourceneffizienz einsetzt.
Die OeEB hat Ressourceneffizienz als einen der Schwerpunkte in ihrer Strategie definiert. Warum gerade dieses Thema?

Andrea Hagmann: Das Thema begleitet uns von Anfang an. In Entwicklungsländern ist das Wachstum dynamischer als hier, der Ressourcenverbrauch kann auf Dauer aber nicht im gleichen Maß steigen. Wachstum muss nachhaltig sein und wir müssen mit begrenzten Ressourcen sorgsam umgehen. Wir leisten mit Finanzierungen, die Ressourceneffizienz im Blickpunkt haben, neben entwicklungspolitischen Effekten auch einen Beitrag zum Klimaschutz. Davon profitieren nicht nur die Entwicklungs-­ und Schwellenländer, sondern auch die Industrieländer.


Michael Wancata: Die internationale Energieagentur spricht bei Energieeffizienz von einer "versteckten" Energiequelle. Um globale Effekte erzielen zu können, ist es wichtig, dass viele Entwicklungsfinanzierer an einem Strang ziehen - und das ist der Fall. Damit können wir als OeEB auch einen wertvollen Beitrag leisten.

Ist Ressourceneffizienz in allen Ländern, in denen die OeEB aktiv ist, ein Schwerpunkt?

W: Effizienz ist in den "Least Developed Countries" sicherlich noch weniger ein Thema als in jenen, die schon einen Schritt weiter sind. Im südlichen Afrika zum Beispiel geht es für die Menschen überhaupt erst einmal um den Zugang zu Energie oder Wasser - da ist noch nicht die Rede von einem effizienteren Umgang etwa mit Energie.


H: In einem Land mit fossilen Rohstoffvorkommen wie Aserbaidschan, wo das Öl fast nichts kostet, ist die Ausgangslage schwierig. Wo Energie mehr kostet, sind Energieeffizienz und erneuerbare Energien mehr im Fokus. Viel Potenzial sehen wir zum Beispiel in der Türkei, in Armenien und in Georgien.

Kann man die Menschen in diesen Ländern für das Thema begeistern?

H: Die primäre Motivation für derartige Investitionen in Entwicklungsländern ist monetär. Man muss den Leuten vorrechnen, was sie davon haben: Das Haus besser zu isolieren heißt, dass ihnen langfristig mehr Geld in der Tasche bleibt – so kann man sie motivieren. Aber je weiter ein Land entwickelt ist, desto mehr spielen auch ökologische Überlegungen mit.


W: Um die Menschen in den Zielländern zu erreichen, arbeiten wir mit lokalen Banken zusammen. Zuerst einmal muss man ein Fachgebiet wie Energieeffizienz den Bankmitarbeitern erklären und sie entsprechend schulen, damit sie es dann an ihre Kunden vor Ort weitertragen können.

Ressourceneffizienz ist ein breites Feld, es gibt unzählige Verbesserungsmöglichkeiten – wo setzt man am besten an?

W: Als OeEB tragen wir zum Aufbau privater Unternehmen bei, also zur Entwicklung des Privatsektors. In diesem Sektor steht sicherlich Energieeffizienz als ein wesentliches Thema im Vordergrund, deshalb haben wir in diesem Bereich auch die meisten Projekte.
 

H: An Banken vergebene Kreditlinien für Energieeffizienz richten sich primär an Haushalte, KMU und die Landwirtschaft – etwa für eine bessere Isolierung der Häuser oder für die Anschaffung von Solarkollektoren. Wir bieten aber nicht nur Kredite, sondern auch Advisory Programmes an – über diese können wir zum Beispiel Energy Audits finanzieren.

Sehen Sie bei den Projekten der OeEB Anknüpfungspunkte für österreichische Unternehmen?

W: Wenn es um erneuerbare Energien geht, besonders um Wasserkraft, haben österreichische Firmen sehr viel Know-how. Wir sehen zum Beispiel, dass in Georgien, wo wir Kleinwasserkraftwerke finanzieren, viele österreichische Unternehmen aktiv sind.


H: Bei Energieeffizienz ist der Markt kleinteiliger, es gibt aber auch Chancen. Im Rahmen einer Marktsondierungsreise der WKO mit der OeEB nach Armenien gab es ein B2B-Meeting mit unserer Geschäftspartnerbank. Daraus haben sich für die mitgereisten österreichischen Firmen sehr viele Termine mit potenziellen lokalen Partnern ergeben.

Was bedeutet Ressourceneffizienz für die OeEB und für Sie persönlich?

W: Wir bieten unsere Finanzierungen weltweit an. Unsere Arbeit in den Projektländern erfordert daher, dass wir mit dem Flugzeug reisen. Über ein Aufforstungsprogramm der BOKU in Äthiopien kompensieren wir aber den CO2­Ausstoß durch unsere Flüge.


H: Wenn wir beruflich in andere Länder reisen, werden wir immer wieder damit konfrontiert, dass während einer Besprechung aufgrund eines Stromausfalles das Licht ausgeht. Oder aber auch damit, dass ein Raum im Winter unglaublich heiß beheizt wird, aber die Fenster offen stehen. Ich gehe dann auch zu Hause bewusster mit diesen Dingen um.



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