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  Die Vorstände der OeEB im Gespräch: "Wir bereiten den Weg für andere" 

Die OeEB verbessert nicht nur den Zugang zu Kapital, sondern sorgt auch für einen "Schneeballeffekt" guter Umwelt- und Sozialstandards. Die Vorstände der Oesterreichischen Entwicklungsbank Andrea Hagmann und Michael Wancata über sinnvolle Instrumente und vertrauenswürdige Partner.
Welche Rolle spielen kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) für die OeEB?

Andrea Hagmann: Die OeEB will mit ihren Aktivitäten den Privatsektor in Entwicklungs- und Schwellenländern stärken und so einen Beitrag zur Armutsreduktion leisten. KMU sind gerade in Entwicklungsländern ein wichtiger Wachstumsmotor und eine Triebfeder für die Entwicklung. Nicht zuletzt sind sie für einen großen Teil der Arbeitsplätze verantwortlich. Daher war es für die OeEB seit ihrer Gründung 2008 klar, dass KMU einer unserer Schwerpunktsektoren sind und wir hier besondere Expertise aufbauen wollen. Unser gesamtes Portfolio hat 2016 die Ein-Milliarden-Marke überschritten. 16 Prozent der Mittel, derzeit also gut 160 Millionen Euro, fließen in den KMU-Bereich.


Michael Wancata: Viele internationale Konferenzen bestätigen, dass der Privatsektor in der Entwicklungszusammenarbeit immer wichtiger wird. Es ist allen klar, dass öffentliches Kapital nicht ausreicht, um die Entwicklungsziele zu finanzieren, dafür braucht es auch private Unternehmen. Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich zusätzliche 2.500 Milliarden US-Dollar benötigt werden, um die Sustainable Development Goals zu erreichen. Es geht aber nicht nur darum, den Zugang zu Finanzierung zu verbessern. Viele unserer Projekte sind Leuchtturmprojekte in den jeweiligen Ländern. Die von uns unterstützten Unternehmen sind oft die ersten im Land, die nach internationalen Standards finanziert werden, die internationale Umwelt- und Sozialstandards einhalten. In Bangladesch haben wir etwa eine Textilfärberei finanziert, die ein Vorzeigeunternehmen im Land geworden ist. Das ist auch ein Beispiel für andere, wie es gemacht werden soll.

Konkret mit welchen Instrumenten helfen Sie KMU beim Wachstum und der Schaffung von Arbeitsplätzen?

H: Lokale Banken in Entwicklungsländern erhalten auf den Kapitalmärkten oft keine langfristigen Finanzierungen, das erschwert ihr Kreditgeschäft. Deshalb gewähren wir ihnen langfristige Kreditlinien. Sie benötigen aber ebenso Unterstützung bezüglich Know-how. Wie soll man mit KMU zusammenarbeiten, die oft über keine formale Buchführung wie etwa testierte Bilanzen verfügen, welche Unterlagen kann man verwenden, um Hinweise auf die Kreditwürdigkeit zu bekommen? Wir schulen die Mitarbeitenden und erhöhen so die Professionalität der Institution. Die Angestellten der Bank wiederum können damit ihre KMU-Kunden besser beraten. Ein Beispiel: Wir arbeiten mit einer Bank in Ghana zusammen. Dieses Institut betreibt eine Business Academy, über die sie Schulungen für KMU anbietet, etwa zu Business-Plan-Erstellung, Risikomanagement oder ähnlichen Themen. Das ist eine Win-win-Situation – sowohl die Banken als auch die KMU profitieren von besserem Know-how. Wir wollen auch die Qualität der Prozesse erhöhen. Darüber hinaus setzen wir mit unseren Kooperationen auch spezifische entwicklungspolitische Akzente. So arbeiten wir in Vietnam mit einer Bank zusammen, die gezielt KMU finanziert, welche von Frauen geführt werden. Damit fördern wir einerseits die Wirtschaft, da sich in Vietnam jedes zweite KMU in weiblicher Hand befindet. Gleichzeitig stärken wir damit auch die Unabhängigkeit der Frauen, die oft aus kulturellen Gründen einen noch schwierigeren Zugang zu Kapital haben.


W: Wir stellen nicht nur Kredite für lokale Banken bereit, sondern beteiligen uns auch an Private-Equity-Fonds, die mittelgroßen Unternehmen mit Eigenkapital unter die Arme greifen. Auch hier erhalten die Firmen viel mehr als nur Geld: Schulungen, Zugang zu Netzwerken, Know-how in Bezug auf Sozial- und Umweltstandards. In Nepal haben wir uns zum Beispiel am ersten internationalen Private-Equity-Fonds beteiligt. Hier ist jede Investition zugleich ein Trainingsprogramm für die Behörden, da die nepalesischen Institutionen mit solchen Themen bisher wenig Erfahrung haben. Wenn der Fonds arbeiten will, dann muss er de facto auch Capacity Building für die öffentliche Hand betreiben. Damit bereiten wir auch den Weg für nachfolgende, ähnliche Projekte.

Welche Rolle spielt die Wahl der Partner vor Ort?

H: Wir ermöglichen nicht einfach nur Finanzierungen in ärmeren Ländern, sondern achten penibel darauf, mit welchen lokalen Partnern wir zusammenarbeiten – wie professionell sie sind, wie sie mit ihren Kunden umgehen. Wir fördern indirekt mehr als nur Kapitalverfügbarkeit, indem wir etwa bei Partnerbanken auf ihre Corporate Governance achten. Wir unterstützen jene Banken, die sich an strenge Regeln halten, wo keine Korruption stattfindet. Indem wir diese Institutionen stärken, entsteht idealerweise ein Schneeballeffekt – die Banken geben die hohen Standards, etwa im Umwelt- und Sozialbereich, und ihre Professionalität an ihre Kunden weiter. 



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