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  Die Vorstände der OeEB im Gespräch: "Es kommt auch auf die Qualität der Jobs an" 

Die beiden Vorstände der OeEB, Andrea Hagmann und Michael Wancata, sprechen darüber, warum es eine zentrale Aufgabe von Entwicklungsbanken ist, Jobs zu schaffen, und auf welchem Weg das nachhaltig gelingen kann.
Warum ist es der OeEB ein großes Anliegen, Jobs zu schaffen?

Michael Wancata: Unser Oberziel ist, die Armut zu reduzieren, und das ist eng damit verknüpft, dass es ausreichend Arbeitsplätze gibt. Nur um die gegenwärtige Beschäftigungsrate zu halten, müssen weltweit in den nächsten 15 Jahren 600 Millionen Jobs geschaffen werden. Dabei sind schon jetzt fast 40 Prozent der Jugendlichen in Entwicklungsländern ohne Arbeit.

Mehr Arbeitsplätze, weniger Armut – ist die Rechnung so einfach?

Andrea Hagmann: Nicht ganz, es kommt auch auf die Qualität der Jobs in Entwicklungsländern an. Wir achten darauf, dass die Jobs, die wir schaffen, internationalen Standards entsprechen – und setzen darauf, dass unsere Partner, die diese Standards beachten, ein Vorbild für andere Betriebe in der jeweiligen Region sind. Außerdem ist uns wichtig, dass in einem Land nicht nur wenige vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren, sondern dass die breite Masse etwas davon hat. Zum Beispiel florieren in der Mongolei große Bergbauunternehmungen – im Gegenzug unterstützen wir dort KMU, um auch diesem wichtigen Sektor Stabilität zu geben.

Hat die OeEB ein Ziel, wie viele Arbeitsplätze pro Jahr sie schaffen will?

W: Nein. Das hat auch einen Grund: Direkt geschaffene Jobs kann man leicht zählen – das tun wir auch –, Arbeitsplätze, die indirekt entstehen, sind aber nicht so einfach messbar. Wenn wir ein Textilunternehmen finanzieren, können wir genau sagen: Hier gibt es bald 120 neue Jobs. Mit einem Windpark oder einem Hafenprojekt sind nur sehr wenige Jobs direkt verknüpft. Dafür können viele Arbeitsplätze in der Umgebung entstehen, weil die Stromversorgung oder die Verkehrsanbindung besser werden.


H: Wir versuchen, unsere Wirkung so gut wie möglich zu dokumentieren und analysieren. In Realsektorprojekten, die wir direkt kofinanzieren, sind 5.500 Menschen beschäftigt. Aber über Finanzinstitutionen, die wir kofinanzieren, denen wir also zum Beispiel zweckgebundene Kreditlinien zur Verfügung stellen, oder indirekte Jobs profitieren hunderttausende Menschen von unserer Arbeit.

Wie ergänzen einander die Aufgabenbereiche der Entwicklungszusammenarbeit im privaten und im öffentlichen Sektor?

W: Der öffentliche Sektor muss Voraussetzungen schaffen, damit sich der private entwickeln kann: Infrastruktur wie Wasserversorgung, Krankenhäuser, Bildungseinrichtungen und so weiter. Er kann aber nur begrenzt selbst Jobs schaffen.


H: Aus unserer Erfahrung wissen wir, die vier größten Hemmnisse der Entwicklung für KMU sind Korruption, unklare Steuergesetze, schlechte Stromversorgung und fehlende Finanzierung. Die ersten beiden Punkte können wir als Entwicklungsbank nur indirekt beeinflussen, aber den dritten und vierten Punkt können wir direkt verbessern.

Konzentriert sich die OeEB bei ihren Aktivitäten auf die Produktion, den Dienstleistungsbereich oder auf die Landwirtschaft?

W: Das kommt ganz auf die Herausforderungen des jeweiligen Landes an. Einer unserer Schwerpunkte liegt im Aufbau von Klein- und Mittelbetrieben, die in unterschiedlichen Sektoren angesiedelt sind. Die Kreditlinie an die kenianische Chase Bank beispielsweise deckt ein breites Spektrum ab. Die Bank finanziert KMU, die im Handel tätig sind, genauso wie Tourismusbetriebe, aber auch Kleinunternehmen im Lebensmittel- und Landwirtschaftsbereich. Darüber hinaus schaffen wir mit unserer Ausrichtung auf den Energiesektor die Basis für den Aufbau der Wirtschaft und damit für neue Jobs.

Die OeEB investiert viel in Mikrokredite. Können aus einer Handvoll Dollar wirklich neue Jobs entstehen?

H: Mikrokredite schaffen zunächst Mikrounternehmen, also Einzelunternehmer oder Familienbetriebe. Auch das ist wichtig. Aber im Idealfall wachsen diese Unternehmen und schaffen es, Mitarbeiter anzustellen. Wir haben schon schöne Geschichten miterlebt, zum Beispiel, wo jemand in Albanien alleine als Bäcker begonnen hat und mittlerweile eine Bäckerei mit mehreren Angestellten entstanden ist. Man muss aber bedenken: Nicht jeder ist zum Unternehmertum geeignet – eine Volkswirtschaft kann nicht nur aus Einzelunternehmern bestehen.

Nun sind in manchen Regionen Mikrokredite verfügbar, nicht aber etwas größere Finanzierungen, die Betriebe zum Wachsen brauchen. Warum ist das so, und was kann man als Entwicklungsbank dagegen tun?

W: Manchmal sind lokale Banken bei der Vergabe von mittleren Krediten zögerlich, weil sie nicht wissen, wie man die Bonität von Unternehmen vernünftig bewerten soll. Wir schaffen hier durch unsere Advisory Programmes, die viele Projekte begleiten, einen Know-how-Transfer – das unterscheidet uns von normalen Geschäftsbanken. Aktuell startet in Tadschikistan ein Projekt, wo lokale Banken ermutigt werden, Kredite zu vergeben, indem ein Kreditgarantiefonds den Banken einen Teil des Risikos abnimmt. Das ist ein neues Modell, wie Entwicklungsbanken den lokalen Kapitalmarkt in Schwung bringen.


H: Wir beobachten aber auch, dass manche Mikrofinanzinstitute sich mit ihren Kunden weiterentwickeln und auch wachsende Unternehmen fördern. Man darf aber nicht vergessen, dass Fremdkapital nicht das einzige ist, das KMU fehlt: Eigenkapital ist eine noch viel größere Mangelware. Das ist schon bei uns schwer aufzutreiben, und in Ländern ohne entwickelten Kapitalmarkt fehlen viele Möglichkeiten – zum Beispiel Anleihen zu begeben. Die OeEB kann seit 2012 auch Eigenkapital bereitstellen. Mit jedem Euro Eigenkapital kann ein Unternehmen zwei weitere Euro Fremdkapital akquirieren.



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